Berichte aus dem Leben: Alina Reh

Am Freitag, 27. Februar 2026 war die ehemalige ASG-Schülerin und aktive Langstreckenläuferin Alina Reh am ASG zu Gast, um unseren Schüler*innen ab Klasse 11 von ihrem bisherigen Leben und den Lehren hieraus zu berichten.

Wer mit Ende zwanzig sehr reflektiert über sein Leben reden kann, muss schon einiges erlebt haben. So wie Alina Reh, die auf eine beeindruckende Karriere im Laufsport zurückblicken kann und gut zehn Jahre nach dem Abitur am Albert-Schweitzer-Gymnasium dorthin zurückkehrt, um den älteren Schüler*innen ab Klasse 11 Einblicke in ihr Leben zu geben. Von klein auf mit einem enormen Bewegungsdrang ausgestattet, entdeckt sie früh das Laufen und absolviert als Kind die ersten Rennen. Mit eiserner Disziplin schafft sie es, Schule und Leistungssport unter einen Hut zu bringen – „G8 hat mir Struktur gegeben“ – und erringt eine ganze Reihe von nationalen Meistertiteln. In ihrem Abiturjahr wird sie das erste Mal Europameisterin und gewinnt bei den Leichtathletik-Junioreneuropameisterschaften 2015 in Schweden Gold über 3000 m und 5000 m. Beim 10.000-Meter-Lauf der Frauen bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 2018 in Berlin muss sie sich zunächst mit dem undankbaren 4. Platz begnügen, bekommt erst Jahre später die Bronzemedaille zuerkannt, weil die Drittplatzierte des Dopings überführt wird.

Doch der Leistungssport fordert seinen Tribut, bei der Leichtathletik-WM in Doha muss sie mit Bauchkrämpfen aufgeben, gerät in eine Krise und erkennt, dass sie immer nur von einem Event zum nächsten eilt ohne Zeit für sich: „Wer bin ich? Wo will ich hin?“ In der Folgezeit wird ihre Karriere immer wieder durch Verletzungen ausgebremst, für die Olympiade in Tokyo qualifiziert sie sich zwar, doch wegen Corona findet sie nicht statt und als sie nachgeholt wird, ist sie verletzt. Eine Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung wirft sie wieder zurück. Ihr Körper zeigt ihr Grenzen auf. Auch die Olympiade in Paris verpasst sie. Mittlerweile hat sie den neunten Ermüdungsbruch im Fuß.

Weil sie sehr heimatverbunden ist, entscheidet sich Alina gegen einen Aufenthalt in den USA und eine Trainingsgruppe dort. Sie schließt sich stattdessen dem SSC Berlin an. 2021 geht sie als Sportsoldatin zur Bundeswehr. Ende 2024 kehrt sie schließlich wieder zu ihrem alten Verein SSV Ulm zurück.

Die gelernte Einzelhandelskauffrau sagt: „Leistungssport ist ein egoistisches Ding. Man hat Scheuklappen auf.“ Nun will sie Kindern und Jugendlichen etwas weitergeben und sie für das Laufen begeistern. Deswegen gibt sie viermal die Woche Bewegungsunterricht an Schulen im Ulmer Raum und macht eine B-Trainer-Ausbildung.

Den Schüler*innen des ASG gibt sie einige Ratschläge mit auf den Weg: „Leben ist ein Prozess. Es gibt niemanden, der sagt, das ist der richtige Weg. Einfach ausprobieren. Scheitern ist menschlich.“

In der anschließenden Fragerunde geht es unter anderem um die nächsten sportlichen Ziele von Alina Reh (Marathon), ihr momentanes Training (13 Einheiten pro Woche, morgens und abends), Leistungssport und Geld verdienen (Sponsorenverträge, Sportförderung), Dopingkontrollen (alle 6-8 Wochen), bevor Schulleiter Torben Stolze sie unter großem Applaus mit einem kleinen, aber für eine Sportlerin praktischen Präsent entlässt (ASG-Handtuch).

Vortrag von Alina Reh in der Reihe "Berichte aus dem Leben"

Vortrag von Alina Reh in der Reihe "Berichte aus dem Leben"

Vortrag von Alina Reh in der Reihe "Berichte aus dem Leben"